|
UN-Generalversammlung
besorgt über Umweltzerstörung durch Reisen
,,Nachhaltiger
Tourismus"gefordert
New York 26. Juni
97 - SZ Zitat vom 27.6.97
Der Tourismus muß
umweltschonender werden.
Das wird eine Erkenntnis der Rio-Nachfolgekonferenz sein.
So haben sich die Unterhändler schon über den Inhalt
des Abschnitts ,,Nachhaltiger Tourismus" in dem
Schlußdokument der Sondergeneralversammlung geeinigt.
Die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen äußern darin
ihre große Sorge, daß Korallenriffe,
Berglandschaften, Küsten und Feuchtgebiete durch
den Tourismus in Mitleidenschaft gezogen
werden. Die Kommission für nachhaltige Entwicklung wird
aufgefordert, einen internationalen Aktionsplan
auszuarbeiten, der den nachhaltigen Tourismus fördert.
............
Schon im März dieses
Jahres hatten sich 24 Länder und zwölf
Tourismusorganisationen auf eine ,,Berliner
Erklärung" verständigt. Sie gilt dem Schutz
sensibler Gebiete, aber auch der naturnahen Nutzung
weniger empfindlicher Gegenden. Massentourismus in
ökologisch wertvollen Gebieten soll vermieden werden.
Hingegen könne nachhaltiger Tourismus zur Erhaltung der
biologischen Vielfalt beitragen, heißt es.
Dahinter
steht der Gedanke, die Einnahmen aus dem Tourismus zu
nutzen, um Schutzgebiete zu finanzieren und ein
wirtschaftliches Interesse an ihrem Erhalt zu wecken.
Namibia soll schon angekündigt
haben, die Zahl der Touristen auf 700 000 bis 800000 im
Jahr zu beschränken. Sie sollen zudem besser verteilt
werden, um nicht in einigen Gebieten die Wasserrerven zu
überfordern. Auf der Vertragsstaatenkonferenz der
Konvention zur biologischen Vielfalt, die im Mai 1998 in
Bratislava statt finden wird , sollen Leitlinien für
einen nachhaltigen Tourismus erarbeitet werden
Doch in einigen Regionen
sind die Schäden schon erheblich Im Mittelmeerraum hat die
intensive touristische Nutzung dazu geführt, daß von
Gibraltar bis Sizilien drei Viertel aller
Dünenlandschaften und ihre Ökosysteme auf Dauer
zerstört sind, wie das Bundesamt für Naturschutz in
einer Studie zu biologischer Vielfalt und Tourismus an
den Küsten erst vor wenigen Monaten festgestellt hat. Zwischen 1900 und 1990 hat danach
Europa 43 Prozent seiner Küstendünen verloren. Dabei
ist Italien mit einem Verlust von 80 Prozent am
stärksten betroffen, es folgen Spanien und Frankreich
mit jeweils 75 Prozent. Allein im nordwestlichen
Mittelmeerraum sollen Hotels und Ferienanlagen etwa 2200
Quadratkilometer Fläche verbrauchen. Die Fläche für
die erforderliche Infrastruktur wird ebenso groß
geschätzt.
Deutsche
Reisende und Reiseveranstalter trügen
als zweitstärkste Nachfrage eine erhebliche
Verantwortung, mahnte der Präsident des Bundesamtes für
Naturschutz, Uppenbrink, bei der Vorstellung der Studie.
Sie könnten durch eine gezielte
Nachfrage nach umweltfreundlichen Urlaubszielen die
Entwicklung zu nachhaltigen und naturverträglichem
Tourismus fördern. Für das vergangene Jahr wird die
Zahl der Reisen auf der Welt auf 600 Millionen
veranschlagt, die Zahl der Beschäftigten auf etwa 250
Millionen und die Einnahmen auf 423 Milliarden Mark. Die
Welt-Tourismus- Organisation schätzt, daß der
Reiseverkehr jedes Jahr um vier Prozent wächst und sich
damit alle 20 Jahre verdoppelt.
|